Renovierung

Fast drei Jahre ist dieses Blog nun alt. Mit Herzklopfen habe ich angefangen, damals, mit dem verwackelten Bild eines Tulpenstraußes einen Zauber herbeigeschrieben, der gegen den Winter, die Kälte, die Erstarrung wirken sollte. Und es hat funktioniert. Die letzten beiden Winter waren mild, klimatisch und auch sonst, die Erstarrung ist meiner wiedergefundenen Lebendigkeit gewichen. Ich habe viel erzählt hier in den letzten drei Jahren über mich, habe dieses und jenes ausprobiert, habe mich Dinge getraut, vor denen ich Angst hatte, habe manchmal nachgelesen, was mir so alles durch den Kopf gegangen ist, habe beobachtet, wie sich verändert hat, was ich über mich erzählte, wie sich mein Leben verändert hat. Vielleicht habe ich mir die Veränderung herbeigeschrieben, wer weiß: Wir sind die Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählen.

In letzter Zeit fällt mir das Schreiben hier schwer. Nicht, dass alles schon gesagt wäre, aber mein Mitteilungsbedürfnis ist nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Auch die Form hat sich erschöpft. Alle Blumen im Garten sind fotografiert, alle Gedanken dazu notiert, die Mülltonnen stehen jede Woche in ähnlicher Formation auf der Straße, die Gedanken haben sich geklärt, die Traurigkeit, gegen die ich anfangs anschrieb, ist einer ruhigen Gelassenheit gewichen, die von solider Lebensfreude grundiert ist, endlich wieder. Zeit, darüber nachzudenken, wie es weitergeht, ob es überhaupt weitergehen soll mit dem Schreiben. Wenn Blog, dann auf jeden Fall ein neues Layout, ich habe mir schon dies und das angeschaut, aber nichts hat mich bisher gereizt, es mal auszuprobieren. Vielleicht – nein, sogar ziemlich wahrscheinlich – sehe ich irgendwann etwas und weiß: Genau das soll es sein. So ging es mir gestern mit der Farbe für das Zimmer, das ich schon lange neu streichen will, weil die alte Farbe nicht mehr ansehnlich ist und sich auch weniger gut als gedacht mit dem Licht verträgt, das ins Zimmer fällt. Seit geraumer Zeit habe ich Farbmuster hier liegen, aber nichts hat mich bisher wirklich überzeugt. Und gestern war es dann soweit: Ich habe sie gesehen, die neue Farbe, ein zartes Rosa mit einem deutlichen Graustich und einem geheimnisvollen Namen: Peignoir. Die soll es werden.Ich werde eine Musterdose kaufen und ausprobieren, ob das Licht im Zimmer und die Farbe sich vertragen, bevor ich mir die Mühe mache, alles neu zu streichen. Aber ich bin ziemlich sicher, dass es passt. So wird es mir auch mit dem Schreiben gehen. Eines Tages werde ich wissen: Das will ich jetzt machen, genau so. Von heute an gilt: Wegen Renovierung geschlossen. Danke fürs Lesen, die Kommentare und die Anteilnahme an meinen Gedanken.

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